Analyse, Beratung und Training – in Zusammenarbeit mit der LMU München

Präsentation im Münchner Rathaus

Vorstellung des Projekts „Den Menschen im Blick und der Publikation „Training Antidiskriminierung" (Wochenschauverlag)

04.12.2019


Am 18. November 2019 wurden im Münchner Rathaus vor rund 200 Gästen die Publikation „Training Antidiskriminierung“ vorgestellt und die Ergebnisse des Projekts „Den Menschen im Blick“ diskutiert.

Programm der Veranstaltung

Durch die Veranstaltung führte der Conferencier, Fernsehmoderator und Autor Michel Abdollahi. Der Abend wurde um 18 Uhr durch den Projektfilm „Den Menschen im Blick“ eingeleitet. Dieser ist auf der Homepage des Projekts „Den Menschen im Blick“ zu finden.

Es folgte die Begrüßungsrede des Münchner Stadtrats Dominik Krause, der den Oberbürgermeister vertrat. Der Parteivorsitzende der Münchner Grünen skizzierte die Bedrohung durch Menschenverachtung und Hass in unserer Gesellschaft. Er betonte, dass die Stadt bereits durch Studien etwa zum Thema Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und zum OEZ-Attentat wichtige Schritte für die Auseinandersetzung getan hat. Gerade wurde das OEZ-Attentat endlich auch vom Freistaat Bayern als Hasskriminalität eingeordnet. Krause empfahl, das Training Antidiskriminierung in Zukunft in der Stadt München mit der wissenschaftlichen Begleitung durch das LMU-Team umzusetzen.

Anschließend hielt Michael Tetzlaff, Leiter der Abteilung „Demokratie und Engagement“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Keynote Speech. Tetzlaff beschrieb die Bedeutung der geförderter Modellprojekte für die Demokratie und stellte das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ vor. Er erläuterte ausführlich die Notwendigkeit Rassismus und Diskriminierung mit innovativen Ansätzen zu bearbeiten und dankte explizit den Projektmitarbeitenden von „Den Menschen im Blick“ im Namen von Bundesfamilienministerin Giffey für ihr Engagement.

Projektleiterin Dr. Britta Schellenberg berichtete von der Idee des Projekts, seinen Ausgangspunkten und Zielsetzungen. Aufgrund von aktuellen rassistischen und diskriminierenden Haltungen und Vorfällen in der Gesellschaft sei es nötig, den Problematiken etwas entgegenzusetzen. Auf dem Arbeitsmarkt und in Arbeitskontexten kommt es zu rassistischen und diskriminierenden Vorfällen, was zu unprofessionellem Arbeiten und negativen Folgen für den Einzelnen, seine Organisation und die Gesellschaft führt. Während die Forschung bereits die plurale Gesellschaft Deutschlands, ihre Chancen und Herausforderungen erkannt hat, blieben praktische Bildungsmaterialien oft weit zurück. „Den Menschen im Blick“ möchte das mit seinem „Training Antidiskiminierung“ ändern und sich problemorientiert und zeitgemäß mit den Themen beschäftigen. Durch die Übungen solle eine Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung ermöglicht werden, die zu Reflexionsprozessen, zu Sensibilisierung und Handlungssicherheit führt.

„Den Menschen im Blick“ wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des BMFSFJs und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Angesiedelt am Geschwister-Scholl-Institut der LMU hat das Team mit zahlreichen Partner*innen in München, Bayern und auch bundesweit ein Bildungsprogramm für die plurale Gesellschaft entwickelt. Ausgangspunkt des Bildungsprogramms ist unsere demokratische, auf dem Grundgesetz und damit auf den Menschenrechten fußende, plurale Gesellschaft, die durch Vielfalt geprägt ist. Das „Training Antidiskriminierung“ soll professionelles Handeln in der pluralen Gesellschaft Deutschland ermöglichen. Der einzelne Mensch soll dabei im Mittelpunkt stehen und empowert werden. Die Organisationen, mit denen das Team von „Den Menschen im Blick" zusammengearbeitet hat, sind Abbild und Vertreter*innen der pluralen Gesellschaft Deutschlands. Das „Training Antidiskriminierung wurde gemeinsam mit Wissenschaftler*innen, Bildungspraktiker*innen, NGOs sowie staatlichen und zivilgesellschaftlichen Bildungsinstitutionen entwickelt. Das Fortbildungsprogramm für Mitarbeitende und Führungskräfte ist Ergebnis einer dreijährigen Arbeit und Zusammenarbeit mit Organisationen wie der Stadt München, Wohlfahrtsverbänden, zum Beispiel der AWO, Religionsgemeinschaften wie der ELKB und dem Katholischen Büro Bayern, ebenso wie der Polizei. Ausgangspunkt ist der rechtlich fassbare Begriff der „Diskriminierung“, wobei ein Schwerpunkt auf der Auseinandersetzung mit institutionellem Rassismus liegt, welcher für Organisationen und Arbeitskontexte besonders relevant ist.

Im Anschluss wurden die Ergebnisse des Projekts „Den Menschen im Blick“ vorgestellt. Rabia Kökten, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gab einen Überblick über das pädagogisch-didaktische Konzept des „Trainings Diskriminierung“. Das Bildungsprogramm geht von einer pluralen Gesellschaft und im Seminarraum von einer heterogenen Teilnehmerschaft aus. Auch in diesem Rahmen müssen Machtstrukturen und Ausgrenzungsmechanismen bedacht werden, die außerhalb herrschen und manchmal reproduziert werden. Zu diesem Zweck wurden Methoden entwickelt oder adaptiert, durch die sich Teilnehmende zu jeder Zeit auch anonym mitteilen können, wenn sie in irgendeiner Form Rassismus erleben. Rassistisch markierten Teilnehmenden wird außerdem die Möglichkeit gegeben, Übungen jeder Zeit abzubrechen, wenn diese schmerzhafte Erinnerungen wecken und sie belasten. Auf dieser Weise soll ein Schutzraum für das Seminar geschaffen werden. Das „Training Antidiskriminierung“ verzichtet auf Rollenspiele: im Fokus steht die selbstkritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Umfeld und Arbeitsumfeld, der eigenen Rolle und eigenen Deutungen in diesem. Das Konzept spricht unterschiedliche Lerntypen an, da das Material niedrigschwellig zugänglich ist. Es ist multimedial gestaltet und arbeitet mit Videoclips oder Artikelausschnitten und Erfahrungsberichten.

Paulina Seelmann, Mitarbeiterin beim Projekt „Den Menschen im Blick“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München, präsentierte das Online-Kompetenzportal sowie seine Inhalte, welches sich an die Fachöffentlichkeit und zudem an die Zielgruppen der Mitarbeitenden und Führungskräften von Organisationen richtet. Die Rubrik „Stimmen“ auf dem Kompetenzportal soll verschiedenen Personen mit ihren Erlebnissen und Erfahrungen in Videoclips eine Stimme geben. Diese sollen Menschen empowern und zu Wort kommen lassen, anstatt Haltungen und Handlungen der Täter in den Mittelpunkt zu rücken. Innerhalb der Laufzeit des Projekts sind auch eigene Videos entstanden, die sich mit dem Thema des institutionellen Rassismus beschäftigen. In der Rubrik finden sich in Form von Texten auch Interviews mit den Partner*innen von „Den Menschen im Blick“, die „Stimmen“ aus Institutionen repräsentieren.

Es erfolgte die Vorstellung der Publikation durch die Verlegerin und Geschäftsführerin beim Wochenschauverlag Dr. Tessa Debus und durch Dr. Britta Schellenberg. Das „Training Antidiskriminierung“ besteht aus 19 Übungen und ist in die Aufgabentypen Einstiegsübungen, Grundlagenübungen, Follow-Ups, Vertiefungsübungen und Abschließende Übungen gegliedert. Der*die Trainer*in kann nach dem Baukastenprinzip eigenständig eine Fortbildung zusammenstellen. Zwischen den Übungen finden sich Schlaglichter, die der Seminarleitung über die Themen der Übungen informieren und so den Einstieg in diese erleichtern. Debus und Schellenberg betonten, dass das Training zur Sensibilisierung, zur (Selbst-)Reflexion und zur Handlungssicherheit im Themenfeld beitragen soll.

Michel Abdollahi moderierte die abschließende Podiumsdiskussion mit Brigitte Döcker, Vorstandsmitglied des AWO Bundesverbandes e.V., Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Dr. Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle für Demokratie der Landeshauptstadt München und der Projektleiterin Dr. Britta Schellenberg. Die Diskutanten berichteten über ihre Rolle im Projekt und ihren Wünschen und Zielen für die Zukunft. So waren die Diskutant*innen alle Mitglieder im Fachbeirat des Projekts und konnten es kritisch begleiten. Die Stadt München und die AWO Bundesverband e.V. haben zudem in Workshops einzelne Übungen des Trainings getestet und ihre Ausrichtung praktisch und berufsorientiert geschärft.

Die Präsentationsveranstaltung wurde feierlich mit einem Auftritt der A-cappella-Band SomeSing, dem Deutschen Meister im Babershop-Singen, beendet. Die Band lud die Gäste mit ihrem Stück zum Ausklang des Abends mit Gesprächen, Wein und Häppchen in die Ratstrinkstube ein.

Das Team von „Den Menschen im Blick“ freut sich über den gelungenen Abend und das große Interesse an dem Projekt und der Publikation. Danke an alle Mitwirkende, Partner*innen und Förderer!

Die Publikation „Training Antidiskriminierung“ ist beim Wochenschau Verlag erhältlich:

Britta Schellenberg (Hrsg.):
Training Antidiskriminierung
Wochenschau Verlag
Frankfurt am Main, 2019
224 Seiten

ISBN:
978-3-7344-0890-8 (Print)
978-3-7344-0891-5 (PDF)
978-3-7344-0892-2 (EPUB)

Zur Online-Bestellung auf wochenschau-verlag.de

PDF-Programm der Veranstaltung

Videos


Dominik Krause, Münchner Stadtrat

Michael Tetzlaff, Leiter der Abteilung „Demokratie und Engagement“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Dr. Britta Schellenberg, Projektleiterin „Den Menschen im Blick“

Rabia Kökten, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LMU München, und Paulina Seelmann, Mitarbeiterin beim Projekt „Den Menschen im Blick“

Dr. Tessa Debus, Geschäftsführerin Wochenschauverlag, und Dr. Britta Schellenberg

Podiumsdiskussion



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Reiner Schübel, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, über das Projekt DEN MENSCHEN IM BLICK