Analyse, Beratung und Training – in Zusammenarbeit mit der LMU München

Entstehungsprozess und Nutzen der Arbeitsdefinitionen Rassismus und Diskriminierung

Die Arbeitsdefinitionen Rassismus und Diskriminierung wurden in einem intensiven und konstruktiven Austausch gemeinsam mit dem Fachbeirat von „Den Menschen im Blick“ im Jahr 2019 entwickelt. Damit war ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaftler*innen, Bildungspraktiker*innen und Vertreter*innen von Organisationen, wie Wohlfahrtsverbänden und kommunaler Verwaltung, sowie von NGOs am Entstehungsprozess beteiligt.

Ziel war es, durch einen systematischen Praxis-Wissenschafts-Austausch und eine fachübergreifende Verständigung handlungsorientierte Arbeitsdefinitionen für eine fundierte Arbeitspraxis vorzulegen.

Die „Konflikte" zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen (den „Aushandlungspartner*innen") waren fruchtbar, denn das gemeinsame Ziel war es, Definitionen vorlegen, die auf spezifische Wissenschaftssprache verzichten und eingängige, das Verständnis unterstützende, Beispiele für die Phänomene benennen ohne diskriminierende Aussagen zu reproduzieren. Im Entstehungsprozess musste fast jedes einzelne Wort verhandelt werden. Zunächst ging es darum, wichtige Punkte zu benennen, die in einer Definition nicht fehlen durften. Ebenso wurden hilfreiche Beispiele und zentrale gesetzliche Bezugspunkte gesammelt, abgewogen und dann im nächsten Schritt gemeinsam in Form von der Definition konkretisiert.

Die Arbeitsdefinitionen sind Grundlagen des Antidiskriminierungstrainings „Den Menschen im Blick“ und dienen immer auch als konkrete Bezugspunkte von Übungen im Training (z.B. der Übung „Was ist Rassismus?“ oder „Diskriminierung?!“). Zudem dienen unsere Definitionen bereits als Richtschnur für die Arbeitspraxis von Arbeitgeber*innen und Organisationen. So hat unsere Partnerin AWO Bundesverband e.V. die Arbeitsdefinition Rassismus in der eigenen Organisation etabliert.

Sie bieten ein Fundament, dass Zuspitzungen - je nach institutionellem Bedarf - ermöglicht, um die eigene rassismuskritische und diskriminierungssensible Arbeitspraxis zu befruchten. Mit dem Antidiskriminierungstraining und/oder der Beratungen zur Organisationsentwicklung kann sich der Problembeschreibung im beruflichen Kontext angenähert werden. Rassismus und Diskriminierung werden bestimmbar. Probleme und damit zusammenhängenden Herausforderungen können also erkannt, thematisiert und bearbeitet werden.

So möchten die Arbeitsdefinitionen also ein Fundament bereitstellen, welches wissenschaftsbasiert und praxisorientiert ist – um letztlich die eigene Praxis im täglichen Umgang aber auch in der Organisation an sich weiter professionalisieren zu können.

Hinweis: Definitionen sind nicht in Stein gemeißelt, da sich Wahrnehmungen und Realitäten im Laufe der Zeit verändern können. Nach etwa 10 Jahren sollten die vorgelegten Definitionen also unbedingt kritisch geprüft werden.

„Den Menschen im Blick“ – Dieses Projekt setzt einen wichtigen Akzent für ein sensibles und einfühlsames menschliches Miteinander. Es stärkt die Kräfte der Empathie im Persönlichen und in Institutionen und Einrichtungen; auch unseren kirchlichen und diakonischen.

Reiner Schübel, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, über das Projekt DEN MENSCHEN IM BLICK